80 Prozent ohne Schutz: Warum Deutschland bei der Berufsunfähigkeit ein Entwicklungsland ist
Die Handys sind versichert, die eigene Existenz nicht: BU-Experte Tobias Bierl erlebt in seiner Beratung täglich ein deutsches Versicherungsparadoxon. Er sagt: „Die Deutschen versichern das Ersetzbare, aber nicht das Unersetzliche“.

Familie Kruse aus NRW steht stellvertretend für Millionen deutscher Haushalte: Vater (42), Mutter (39), zwei Kinder. Der Familienvater arbeitet als Projektleiter in der IT-Branche, die Mutter in Teilzeit im Einzelhandel. Im Versicherungsordner der Familie: unter anderem eine Handyversicherung, eine Brillenversicherung, eine Reiserücktrittsversicherung – zusammen rund 250 Euro im Jahr. Was fehlt: eine Berufsunfähigkeitsversicherung für den Hauptverdiener.
„Dieses Muster sehen wir in unserer Beratung täglich", sagt Tobias Bierl. Der freie Makler ist einer der führenden BU-Experten Deutschlands, kennt sich mit der Absicherung der Arbeitskraft so gut aus, wie nur wenige. Familie Kruse, die in Wirklichkeit anders heißt, hat sich kürzlich mit dem Wunsch nach einer Berufsunfähigkeitsversicherung an Bierl gewandt.
Deutschland gilt als Versicherungsweltmeister – und ist gleichzeitig dramatisch unterversichert. Rund 80 Prozent der Erwachsenen besitzen keine Berufsunfähigkeitsversicherung, obwohl statistisch jeder vierte Erwerbstätige im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig wird. „Die Deutschen versichern das Ersetzbare, aber nicht das Unersetzliche: ihre Arbeitskraft", sagt BU-Experte Bierl.
Lehrerinnen mit Depression, Pflegekräfte mit chronischer Erschöpfung
Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geben die Deutschen jährlich mehr als 2.000 Euro pro Kopf für Versicherungen aus. Millionen Haushalte besitzen Handy-, Brillen- oder Reiserücktrittsversicherungen – zusammen oft mehrere hundert Euro im Jahr für Risiken, die ärgerlich, aber niemals existenzbedrohend sind.
Die existenziell wichtigste Absicherung hingegen fehlt laut einer aktuellen GDV-Studie in vier von fünf Haushalten. Dabei zeigen die Zahlen ein klares Bild: Mit 38 Prozent sind psychische Erkrankungen heute die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit – noch vor Erkrankungen des Bewegungsapparats und Krebs. Unfälle machen lediglich rund 8 Prozent aus. „Das Bild vom Dachdecker, der vom Gerüst fällt, ist überholt", erklärt Bierl. „Heute sind es Projektleiter mit Burnout, Lehrerinnen mit Depression, Pflegekräfte mit chronischer Erschöpfung."
„Die Zeit arbeitet immer gegen den Versicherten, nie für ihn."
Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren wurde, hat keinen Anspruch auf staatliche Berufsunfähigkeitsrente. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente springt nur ein, wenn Betroffene praktisch gar keiner Arbeit mehr nachgehen können. Sie lag laut Deutscher Rentenversicherung zuletzt im Schnitt bei unter 1.100 Euro monatlich.
„Viele Menschen realisieren erst im Ernstfall, dass der Staat sie nicht auffängt", sagt Bierl. Doch dann ist es zu spät. Eine richtig gute BU kann man nur abschließen, solange man gesund ist. „Mit jeder Diagnose, jedem Arztbesuch steigt das Risiko, nur noch mit Ausschlüssen oder Risikozuschlägen versichert zu werden. Oder gar nicht mehr", warnt der Experte. „Die Zeit arbeitet immer gegen den Versicherten, nie für ihn."
Bei der Gesundheitsprüfung lauert die Gefahr
Ein 30-jähriger Angestellter mit Bürotätigkeit zahlt für eine monatliche BU-Rente von 2.000 Euro meist zwischen 50 und 80 Euro monatlich. „Das ist weniger, als viele Haushalte für Streamingdienste und Handyverträge ausgeben", ordnet Bierl ein. „Wichtig ist, die BU nicht zwischen Tür und Angel oder beim Vertreter der Versicherung abzuschließen. Mein Rat: Suchen Sie sich einen unabhängigen Experten. Der kostet Sie meist keinen Cent mehr, sorgt aber dafür, dass Ihr Schutz auch wirklich einer ist.“
Denn die Tücke liegt im Detail: In etwa 15 Prozent der Leistungsfälle zahlt die BU nicht, weil Versicherte bei der Gesundheitsprüfung Fehler gemacht haben. „Wer die Gesundheitsfragen mal eben schnell online beantwortet, geht ein unnötiges Risiko ein", betont Bierl. Mit mehr als 7.000 begleiteten Gesundheitsprüfungen verfügt er über einen einzigartigen Erfahrungsschatz. „Wir fordern fast in jeder Beratung die vollständige Krankenakte an. Das dauert zwar einige Wochen, aber nur so ist die Absicherung am Ende auch wasserdicht."
5 Fragen an Tobias Bierl
Herr Bierl, Sie haben mehr als 7.000 BU-Gesundheitsprüfungen begleitet. Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis?
Die Deutschen versichern das Ersetzbare – aber nicht das Unersetzliche: ihre Arbeitskraft. In meinen Beratungen sehe ich täglich Familien, die Hunderte Euro im Jahr für Handy- und Brillenversicherungen ausgeben, aber keinen Cent für die Absicherung ihres Einkommens. Das ist ein gefährlicher Denkfehler. Denn wenn das Handy kaputt geht, ist das ärgerlich. Wenn das Einkommen wegfällt, ist das existenzbedrohend.
Viele denken bei Berufsunfähigkeit an Bauarbeiter oder Handwerker. Stimmt dieses Bild noch?
Nein, das Bild vom Dachdecker, der vom Gerüst fällt, ist überholt. Heute sind es Projektleiter mit Burnout, Lehrerinnen mit Depression, Pflegekräfte mit chronischer Erschöpfung. Psychische Erkrankungen sind mit 38 Prozent die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit – Tendenz steigend. Unfälle machen dagegen nur etwa 8 Prozent aus. Das bedeutet: Auch wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, ist gefährdet. Vielleicht sogar besonders.
Was raten Sie Menschen, die das Thema BU bisher vor sich hergeschoben haben?
Nicht länger warten. Viele Menschen realisieren erst im Ernstfall, dass der Staat sie nicht auffängt. Dann ist es zu spät. Eine richtig gute BU kann man nur abschließen, solange man gesund ist. Mit jeder Diagnose, jedem Arztbesuch steigt das Risiko, nur noch mit Ausschlüssen oder Risikozuschlägen versichert zu werden. Oder gar nicht mehr. Die Zeit arbeitet immer gegen den Versicherten, nie für ihn.
Ist eine BU nicht sehr teuer?
Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Ein 30-jähriger Büroangestellter zahlt für eine monatliche BU-Rente von 2.000 Euro meist zwischen 50 und 80 Euro im Monat. Das ist weniger, als viele Haushalte für Streamingdienste und Handyverträge ausgeben. Und was viele nicht wissen: Der Abschluss mit einem unabhängigen Experten kostet keinen Cent mehr als der Direktabschluss, kann aber im Ernstfall den Unterschied zwischen Leistung und Ablehnung bedeuten.
Warum ist professionelle Begleitung so wichtig?
Weil die Gesundheitsprüfung der kritischste Moment ist. In etwa 15 Prozent der Leistungsfälle zahlt die BU nicht, weil Versicherte bei der Gesundheitsprüfung Fehler gemacht haben – oft ohne es zu wissen. Wer die Gesundheitsfragen ohne professionelle Begleitung beantwortet, geht ein unnötiges Risiko ein. Wir muten unseren Interessenten daher ganz schön was zu: Wir fordern Krankenakten, ärztliche Stellungnahmen und eine kleinteilige Aufarbeitung der Gesundheitshistorie ein. Das ist für den Versicherten ein bisschen Aufwand und dauert auch einige Wochen, aber nur so ist die Absicherung am Ende auch wasserdicht. Lieber drei Wochen länger warten als 30 Jahre ohne echten Schutz.
Über Tobias Bierl
Tobias Bierl (41) ist einer der führenden BU-Experten in Deutschland. Der geprüfte Versicherungs- und Finanzanlagenfachmann hat mehr als 7.000 Gesundheitsprüfungen begleitet und kennt die Tücken und Fallstricke für Versicherte wie kaum ein Zweiter. Gemeinsam mit seinem Bruder Stefan gründete er 2008 die Finanzberatung Bierl. Vom Firmensitz im bayerischen 244-Einwohner-Dorf Kirchenrohrbach haben es die Bierls mittlerweile zu deutschlandweiter Bekanntheit geschafft. Ihr Versicherungsblog ist einer der größten und meistgeklickten des Landes. Aufgrund seiner großen Praxisexpertise ist Tobias Bierl gefragter Experte in den Medien. Journalistinnen und Journalisten schätzen seine anschaulichen Erfahrungen aus der gelebten Berufspraxis. Außerdem spricht er nicht im Interesse der Versicherungsbranche, sondern der Versicherten.
Mehr Storys meiner Mandanten

Die stille Stellschraube: Welche BU-Versicherer im Leistungsfall am meisten dazu zahlen
30 Minuten für Deine Reputation
Lass uns gemeinsam herausfinden, welches kommunikative Potenzial in Deinem Unternehmen steckt und ob ich Dir helfen kann. Ich bin gespannt, was Dich bewegt!
Rückrufbitte
Hinterlasse einfach Deinen Namen und Deine Telefonnummer. Ich rufe Dich noch am selben Tag zurück.
