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Presseanfrage erhalten? So reagierst Du richtig.

Eine E-Mail von einem Journalisten. Ein Fragenkatalog. Eine Frist. Und plötzlich wird aus einem normalen Arbeitstag ein Moment, der über Deine Reputation entscheiden kann. Wer jetzt falsch reagiert, verliert die Kontrolle über seine eigene Geschichte.

06.05.2026
Presseanfrage erhalten? So reagierst Du richtig.

Die meisten Unternehmen und Persönlichkeiten erleben eine Presseanfrage als Ausnahmesituation. Kein Wunder: Medienanfragen kommen oft unangekündigt, die Fristen sind kurz, die Fragen unangenehm. Doch genau jetzt entscheidet sich, ob Du den Rahmen der Berichterstattung mitgestaltest – oder ob andere das für Dich tun.

Hier sind die wichtigsten Regeln für den Umgang mit Presseanfragen. Aus der Praxis, nicht aus dem Lehrbuch.

1. Ruhe bewahren – und nichts überstürzen

Der größte Fehler bei einer Presseanfrage ist eine überhastete Reaktion. Ob spontaner Rückruf, eine impulsive E-Mail oder ein unbedachter Kommentar in sozialen Medien: Alles, was Du sagst, kann zitiert werden. Und alles, was einmal veröffentlicht ist, lässt sich nicht mehr zurücknehmen.

Deshalb gilt: Erst denken, dann handeln. Nimm die Anfrage zur Kenntnis, lies sie sorgfältig und verschaffe Dir einen Überblick. Was genau wird gefragt? Wer fragt? Für welches Medium? Und wie viel Zeit hast Du?

Wenn eine Frist gesetzt ist und diese knapp bemessen ist, bitte den Journalisten schriftlich um eine Verlängerung von einem halben Tag. Das ist in den meisten Fällen kein Problem – und verschafft Dir den Raum für eine durchdachte Antwort.

2. Die Anfrage ernst nehmen – auch wenn sie unbequem ist

Viele Unternehmen reagieren auf kritische Presseanfragen mit Schweigen. Das ist fast immer ein Fehler. Denn Journalisten berichten in der Regel auch ohne Deine Mitwirkung. Der Unterschied: Wenn Du Dich äußerst, fließt Deine Perspektive in die Berichterstattung ein. Wenn Du schweigst, steht dort: "Das Unternehmen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar." Das liest sich für Kunden, Partner und Stakeholder wie ein Schuldeingeständnis.

Presseanfragen zu beantworten ist keine Schwäche. Es ist die Chance, Deine Sicht der Dinge darzulegen und die Geschichte aktiv mitzugestalten.

3. Verstehen, was der Journalist wirklich will

Hinter jeder Anfrage steckt ein Rechercheziel. Ein Journalist, der fünf detaillierte Fragen schickt, arbeitet vermutlich bereits an einem konkreten Beitrag. Einer, der "nur kurz eine Einschätzung" braucht, sucht möglicherweise ein Zitat für einen größeren Kontext.

Lies zwischen den Zeilen. Welches Thema wird verhandelt? Welche Richtung könnte die Berichterstattung nehmen? Welche Informationen hat der Journalist vermutlich schon? Diese Einschätzung bestimmt, wie Deine Antwort aufgebaut sein sollte.

Wer die Mechanismen der Medienarbeit kennt, kann Presseanfragen strategisch nutzen. Wer sie nicht kennt, liefert Angriffsfläche. Mehr dazu, wie strategische Kommunikationsberatung Dich in solchen Situationen unterstützen kann.

4. Klare Botschaften formulieren – bevor Du antwortest

Bevor Du auf eine Presseanfrage reagierst, brauchst Du Klarheit über Deine eigenen Kernbotschaften. Was willst Du sagen? Was auf keinen Fall? Welche Fakten kannst Du belegen? Welche Themen möchtest Du aktiv setzen?

Formuliere Deine Antworten so, dass sie direkt zitierbar sind. Journalisten arbeiten unter Zeitdruck und greifen auf Formulierungen zurück, die klar und prägnant sind. Nutze das: Wer seine Botschaften auf den Punkt bringt, hat bessere Chancen, korrekt wiedergegeben zu werden.

Lange, verschachtelte Antworten mit juristischen Vorbehalten hingegen laden dazu ein, aus dem Kontext gerissen zu werden.

5. Schriftlich antworten – wann immer möglich

Telefonische Auskünfte haben einen Nachteil: Du hast keine Kontrolle über das, was der Journalist mitschreibt. Missverständnisse, ungenaue Zitate und verkürzte Darstellungen sind keine böse Absicht – sie passieren einfach, wenn komplexe Sachverhalte am Telefon besprochen werden.

Deshalb: Antworte auf Presseanfragen wenn möglich schriftlich. Per E-Mail hast Du die volle Kontrolle über Deine Formulierungen und eine dokumentierte Grundlage, falls es später Unstimmigkeiten gibt.

Wenn ein telefonisches Gespräch unvermeidlich ist, bereite Dich vor wie auf ein Interview. Und halte anschließend schriftlich fest, was besprochen wurde.

6. Auf Interviews vorbereitet sein

Manchmal bleibt es nicht bei einer schriftlichen Anfrage. Der Journalist möchte ein Interview – persönlich, telefonisch oder vor der Kamera. Jetzt wird es ernst.

Ein Interview ist kein lockeres Gespräch. Es ist eine professionelle Situation, in der jedes Wort zählt. Bereite Dich vor: Was sind Deine drei Kernbotschaften? Welche kritischen Fragen könnten kommen? Wie lenkst Du das Gespräch zurück zu Deinen Themen, wenn es in eine ungünstige Richtung geht?

Professionelle Krisenkommunikation umfasst immer auch die Vorbereitung auf genau solche Situationen – vom Medientraining bis zur Begleitung beim Interview selbst.

7. Fristen ernst nehmen – aber nicht diktieren lassen

Journalisten setzen Fristen, weil sie Deadlines haben. Das ist legitim. Gleichzeitig sind Fristen oft verhandelbarer, als sie wirken. Wenn Du für eine fundierte Antwort mehr Zeit brauchst, kommuniziere das offen und professionell.

Was Du nicht tun solltest: Fristen ignorieren oder stillschweigend verstreichen lassen. Dann erscheint Dein Name im Artikel – ohne Deine Perspektive.

8. Den Pressebereich auf der Website nicht vergessen

Die beste Vorbereitung auf Presseanfragen beginnt lange bevor eine eintrifft. Ein professioneller Pressebereich auf Deiner Website mit klaren Ansprechpartnern, Kontaktdaten und grundlegenden Unternehmensinformationen signalisiert Medienkompetenz. Er macht es Journalisten leicht, Dich zu kontaktieren – und er gibt Dir die Möglichkeit, proaktiv Informationen bereitzustellen.

Fehlt ein Pressebereich, wirkt das auf Journalisten wie ein verschlossenes Tor. Es sagt: "Wir wollen nicht mit Medien sprechen." Und das ist selten die Botschaft, die Du senden möchtest.

9. Wenn die Anfrage kritisch wird: professionelle Unterstützung holen

Nicht jede Presseanfrage ist kritisch. Aber manche sind es. Wenn ein Journalist zu einem sensiblen Thema recherchiert, wenn Vorwürfe im Raum stehen oder wenn die Berichterstattung Deine Reputation gefährden könnte, solltest Du nicht allein reagieren.

In solchen Situationen macht professionelle Unterstützung den Unterschied. Jemand, der die Mechanismen der Medien kennt, der weiß, wie Redaktionen arbeiten und der Deine Antworten so formuliert, dass sie Deine Position stärken statt schwächen.

Wenn zusätzlich rechtliche Aspekte betroffen sind – etwa bei drohender Verdachtsberichterstattung oder Verletzung von Persönlichkeitsrechten – ist die Abstimmung zwischen Kommunikation und Medienrecht entscheidend. Beides muss Hand in Hand gehen.

10. Aus jeder Presseanfrage lernen

Jede Presseanfrage ist ein Indikator dafür, wie Dein Unternehmen von außen wahrgenommen wird. Welche Themen werden angefragt? Welche Vorurteile schwingen mit? Welche Informationslücken gibt es?

Nutze diese Erkenntnisse für Deine Kommunikationsstrategie. Unternehmen, die regelmäßig und proaktiv kommunizieren, erhalten weniger kritische Anfragen – weil Journalisten bereits wissen, wofür das Unternehmen steht und an wen sie sich wenden können.

Das Wichtigste in Kürze

Presseanfragen sind keine Bedrohung. Sie sind eine Gelegenheit. Wer vorbereitet ist, klare Botschaften hat und professionell reagiert, kann die Berichterstattung aktiv mitgestalten. Wer schweigt oder panisch reagiert, überlässt anderen die Deutungshoheit.

Die wichtigsten Regeln:

  • Ruhe bewahren, nichts überstürzen
  • Anfragen ernst nehmen und beantworten
  • Klare Kernbotschaften vor der Antwort formulieren
  • Schriftlich antworten, wann immer möglich
  • Fristen kommunizieren, nicht ignorieren
  • Bei kritischen Anfragen professionelle Unterstützung holen

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