Presseanfrage beantworten – So reagieren Sie richtig

Kritische Presseanfrage erhalten? Wie Sie antworten, kann nun maßgeblich über die Berichterstattung und Ihre Reputation entscheiden. Tipps aus meiner jahrelangen Erfahrung als Journalist und Kommunikationschef.

von 
Michael Nowak
Kommunikationsberater & Diplom-Journalist
zuletzt aktualisiert am
06.05.2026
Presseanfrage beantworten – So reagieren Sie richtig

Eine E-Mail von einem Journalisten. Ein kritischer Fragenkatalog. Eine Frist. Und plötzlich wird aus einem normalen Arbeitstag ein Moment, der über Ihre Reputation entscheiden kann. Wer jetzt richtig reagiert, behält die Kontrolle über seine eigene Geschichte und kann die Berichterstattung mitgestalten.

Einige Fragen im Umgang mit Presseanfragen werden mir dabei von meinen Mandanten immer wieder gesellt. Die Antworten hierauf sollen Ihnen eine erste Orientierung geben.

Muss ich auf eine Presseanfrage sofort antworten?

Nein. Der größte Fehler bei einer Presseanfrage ist eine überhastete Reaktion: ein spontaner Rückruf, eine unbedachte Antwort, ein Kommentar in sozialen Medien.

Nehmen Sie die Anfrage zunächst nur zur Kenntnis. Lesen Sie sie sorgfältig und verschaffen Sie sich einen Überblick: Was genau wird gefragt? Wer fragt? Für welches Medium? Und wie viel Zeit haben Sie? Erst danach entscheiden Sie, was Sie sagen.

Was passiert, wenn ich eine Presseanfrage nicht beantworte?

Viele Unternehmen reagieren auf kritische Presseanfragen mit Schweigen. Das ist fast immer ein Fehler. Denn Journalisten berichten in der Regel auch ohne Ihre Mitwirkung. Der Unterschied: Wenn Sie sich äußern, fließt Ihre Perspektive in die Berichterstattung ein. Wenn Sie schweigen, steht dort: „Das Unternehmen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.“

Das liest sich für Kunden, Partner und Mitarbeitende intransparent – in kritischen Fällen wie ein Schuldeingeständnis. Ihre Reaktion ist die Chance, Ihre Sicht der Dinge darzulegen und die Geschichte aktiv mitzugestalten.

Woran erkenne ich, worauf die Recherche zielt?

Hinter jeder Anfrage steckt ein Rechercheziel. Ein Journalist, der fünf detaillierte Fragen schickt, arbeitet vermutlich bereits an einem konkreten Beitrag. Einer, der „nur kurz eine Einschätzung“ braucht, sucht möglicherweise ein Zitat für einen größeren Kontext.

Lesen Sie zwischen den Zeilen: Welches Thema wird verhandelt? Welche Richtung könnte die Berichterstattung nehmen? Welche Informationen hat der Journalist vermutlich schon? Diese Einschätzung bestimmt, wie Ihre Antwort aufgebaut sein sollte.

Wie formuliere ich eine zitierfähige Antwort?

Bevor Sie reagieren, brauchen Sie Klarheit über Ihre eigenen Kernbotschaften. Was wollen Sie sagen? Was auf keinen Fall? Welche Fakten können Sie belegen? Welche Themen möchten Sie aktiv setzen?

Formulieren Sie Ihre Antworten so, dass sie direkt zitierbar sind. Journalisten arbeiten unter Zeitdruck und greifen auf Formulierungen zurück, die klar und prägnant sind. Wer seine Botschaften auf den Punkt bringt, hat bessere Chancen, korrekt wiedergegeben zu werden. Lange, verschachtelte Antworten mit juristischen Vorbehalten laden dagegen dazu ein, aus dem Kontext gerissen zu werden.

Telefonisch oder schriftlich antworten?

Schriftlich, wann immer es geht. Telefonische Auskünfte haben einen Nachteil: Sie haben keine Kontrolle darüber, was der Journalist mitschreibt. Missverständnisse, ungenaue Zitate und verkürzte Darstellungen sind die Folge. Telefonate mit Journalisten sind etwas für Pressesprecher und PR-Profis.

Per E-Mail haben Sie die volle Kontrolle über Ihre Formulierungen – und eine dokumentierte Grundlage, falls es später Unstimmigkeiten gibt.

Wie bereite ich mich auf ein Interview vor?

Manchmal bleibt es nicht bei einer schriftlichen Anfrage. Der Journalist möchte ein Interview – persönlich, telefonisch oder vor der Kamera. Jetzt wird es ernst.

Ein Interview ist kein lockeres Gespräch, sondern eine professionelle Situation, in der jedes Wort zählt. Bereiten Sie sich vor: Was sind Ihre drei Kernbotschaften? Welche kritischen Fragen könnten kommen? Wie lenken Sie das Gespräch zurück zu Ihren Themen, wenn es in eine ungünstige Richtung geht? Professionelle Krisenkommunikation umfasst immer auch die Vorbereitung auf genau solche Situationen – vom Medientraining bis zur Begleitung beim Interview selbst.

Wie lange darf ich mir Zeit lassen, um eine Presseanfrage zu beantworten?

Journalisten setzen Fristen, weil sie Deadlines haben. Das ist legitim. Gleichzeitig sind Fristen oft verhandelbarer, als sie wirken. Wenn Sie für eine fundierte Antwort mehr Zeit brauchen, bitten Sie schriftlich um eine Verlängerung – ein halber Tag ist meist unproblematisch.

Was Sie nicht tun sollten: Fristen ignorieren oder stillschweigend verstreichen lassen. Dann erscheint der Artikel ohne Ihre Perspektive.

Wann brauche ich professionelle Unterstützung?

Meistens immer dann, wenn ein Journalist zu einem sensiblen Thema recherchiert, wenn Vorwürfe im Raum stehen oder wenn die Berichterstattung Ihre Reputation gefährden könnte. In diesen Fällen sollten Sie nicht allein reagieren.

In solchen Situationen macht Erfahrung den Unterschied: jemand, der die Mechanismen der Medien kennt, der weiß, wie Redaktionen arbeiten, und der Ihre Antworten so formuliert, dass sie Ihre Position stärken statt schwächen. Wenn zusätzlich rechtliche Aspekte betroffen sind – etwa bei drohender Verdachtsberichterstattung oder Verletzung von Persönlichkeitsrechten – ist die Abstimmung zwischen Kommunikation und Medienrecht entscheidend.

Das Wichtigste in Kürze

Presseanfragen sind in allererster Linie eine Chance. Wer vorbereitet ist, klare Botschaften hat und professionell reagiert, kann die Berichterstattung aktiv mitgestalten. Wer schweigt oder unüberlegt reagiert, überlässt anderen die Deutungshoheit.

  • Ruhe bewahren, nichts überstürzen
  • Anfragen ernst nehmen und beantworten
  • Kernbotschaften formulieren, bevor Sie antworten
  • Schriftlich antworten, wann immer möglich
  • Fristen kommunizieren, nicht ignorieren
  • Bei kritischen Anfragen professionelle Unterstützung holen

Und noch etwas: Jede Presseanfrage ist ein Indikator dafür, wie Ihr Unternehmen von außen wahrgenommen wird. Welche Themen werden angefragt? Welche Vorurteile schwingen mit? Welche Informationslücken gibt es? Unternehmen, die diese Erkenntnisse in ihre Kommunikationsstrategie übernehmen, erhalten mit der Zeit weniger kritische Anfragen – weil Journalisten bereits wissen, wofür sie stehen und an wen sie sich wenden können.

Sie haben eine Presseanfrage erhalten und brauchen Unterstützung?

Als ehemaliger Rundfunkjournalist und Kommunikationschef der Stiftung Warentest kenne ich beide Seiten: die der Medien und die der Unternehmen. Ich unterstütze Sie bei der professionellen Beantwortung von Presseanfragen, bereite Sie auf Interviews vor und übernehme bei Bedarf die gesamte Medienkorrespondenz. Persönlich, diskret und mit kurzen Reaktionszeiten.

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Oder Sie brauchen sofortige Unterstützung? Soforthilfe im Krisenfall: 040 808 12 462

Michael Nowak ist PR- und Kommunikationsexperte und ehemaliger Kommunikationschef der Stiftung Warentest

Über den Autor

Michael Nowak ist Dipl.-Journalist und war Kommunikationschef der Stiftung Warentest. Heute vertrauen ihm Unternehmen und Persönlichkeiten das Wichtigste an, das sie haben: ihre Reputation. Er berät persönlich, diskret und auf Augenhöhe. Knifflige Fälle sind sein Spezialgebiet.

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