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Klinikschließung oder Fusion kommunizieren: Der Fahrplan für Kliniken, Träger und Betreiber

Die Entscheidung ist gefallen, der Termin für die Bekanntgabe steht – und die Lokalzeitung ruft zwei Tage vorher an. Diese Reihenfolge ist bei Klinikschließungen eher die Regel als die Ausnahme. Wer die kommunikativen Mechanismen bei Klinikschließungen und -fusionen versteht und einkalkuliert, bleibt am Steuer der eigenen Geschichte.

von 
Michael Nowak
Kommunikationsberater & Diplom-Journalist
zuletzt aktualisiert am
02.09.2026
Klinikschließung oder Fusion kommunizieren: Der Fahrplan für Kliniken, Träger und Betreiber

Warum Klinikschließungen fast immer vorher durchsickern

Wenn eine Klinikschließung vor der offiziellen Kommunikation an die Medien oder in Social Media-Kanäle durchsickert, liegt das selten an Illoyalität einzelner Mitarbeiter, sondern an der Zahl an Personen, die von dieser Entscheidung vor der Bekanntgabe wissen oder wissen müssen.

Bei einer Betriebsänderung ist der Betriebsrat nach § 111 BetrVG zu informieren, bevor Fakten geschaffen werden. Dazu kommen Aufsichts- und Gesellschaftergremien, bei kommunalen Häusern der Kreis- oder Stadtrat. Und Beschlussvorlagen für kommunale Gremien sind in vielen Bundesländern öffentlich einsehbar, bevor die Sitzung stattfindet. In vielen Fällen, in denen mich meine Mandanten um Hilfe bitten, steht die Schließung faktisch schon in der Presse, während noch an der Pressemitteilung gearbeitet wurde. Dazu kommen die stillen Signale: gekündigte Lieferverträge, ein gestoppter Bewerbungsprozess, ein Chefarzt, der sich verabschiedet. Eine gut informierte Lokalredaktion liest das.

Meine Empfehlung lautet deshalb: Sie werden das Leck meist nicht verhindern können. Versuchen Sie stattdessen, den Zeitplan so eng zu legen, dass zwischen der finalen Entscheidung und der öffentlichen Bekanntgabe Stunden liegen und keine Wochen. Und seien Sie kommunikativ bereits ab dem ersten Management- oder Gremienbeschluss darauf vorbereitet. Sprachregelungen, Kommunikationsreihenfolgen, eine interne Kommunikation, eine Pressemitteilung - all das sollten Sie mindestens als Grundgerüst in der Schublade vorbereitet haben. Und falls Sie Ihre eigene Kommunikationsabteilung so früh nicht involvieren möchten, greifen Sie auf einen externen Kommunikationsberater zurück.

Wie Sie die Kommunalpolitik einbinden

Sind wir ehrlich: Sie werden in aller Regel wenig öffentliche Fürsprecher in der Kommunalpolitik für eine Schließung oder eine Fusion Ihrer Klinik finden, selbst wenn die Akteure Ihre Entscheidung und Ihre Argumente in persönlichen Gesprächen nachvollziehen können. Nehmen Sie den Kommunalpolitikern ihre öffentliche Kritik daher nicht übel, sondern unterstützen Sie sie in ihrer Rolle.

Was Bürgermeister, Landräte und Fraktionsvorsitzende brauchen, ist vor allem Sprechfähigkeit: die Zahlen, die Begründung, der Zeitplan, die Antwort auf die Frage, was mit der Versorgung passiert. Wer diese Informationen ein paar Stunden vor dem ersten Pressebericht bekommt, kann sich einordnen, vorbereiten und fühlt sich wertgeschätzt. Der Landrat, der die Entscheidung selbst aus dem Radio erfährt, kann nur noch Empörung liefern.

Meine Empfehlung: Suchen Sie kurz vor der öffentlichen Kommunikation das Gespräch mit den relevanten politischen Akteuren. Versuchen Sie nicht zu überzeugen, sondern liefern Sie Fakten, Termine und eine Telefonnummer, unter der Sie erreichbar sind. Das genügt.

Wirtschaftlichkeit allein trägt die Begründung nicht

„Der Standort ist nicht wirtschaftlich zu betreiben" ist meistens wahr und fast immer die schwächste Version der Wahrheit. In der öffentlichen Wahrnehmung steht dieser Satz für eine Entscheidung zwischen Geld und Patienten. Mit diesem Narrativ geraten Sie kommunikativ schnell in die Defensive.

Belastbarer ist die Begründung, die die Versorgung in den Mittelpunkt stellt: Mindestmengen, die nicht erreicht werden, Fachärzte, die nicht zu gewinnen sind, Notfallstrukturen, die im Verbund tragfähiger sind als am einzelnen Standort. Entwickeln Sie diese Botschaften so konkret wie eben möglich und erklären Sie der Öffentlichkeit und Ihren Patienten die tragfähigen und glaubwürdigen Vorteile einer Schließung oder einer Fusion. Diese sind auf den ersten Blick für die Öffentlichkeit häufig nicht erkennbar und bedürfen umso mehr einer Erklärung.

Michael Nowak ist PR- und Kommunikationsexperte und ehemaliger Kommunikationschef der Stiftung Warentest

Über den Autor

Michael Nowak ist Dipl.-Journalist und war Kommunikationschef der Stiftung Warentest. Heute vertrauen ihm Unternehmen und Persönlichkeiten das Wichtigste an, das sie haben: ihre Reputation. Er berät persönlich, diskret und auf Augenhöhe. Knifflige Fälle sind sein Spezialgebiet.

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